header-anwaelte-und-notare-02.jpg

Das aufgetauchte Testament

Eine alleinstehende ältere Dame stirbt im Jahre 2012 und hinterlässt eine grosse Anzahl an gesetzlichen Erben. Dabei handelt es sich um Geschwister, Nichten und Neffen. Pflichtteilsgeschützte Erben (Kinder, Ehepartner, Eltern) bestehen demgegenüber keine. Ein Testament scheint ebenfalls nicht vorhanden zu sein. Demzufolge wird das im Nachlass verfügbare Vermögen gemäss den ihnen zustehenden Quoten an die gesetzlichen Erben verteilt. Nun taucht nach fünf Jahren im April 2017 plötzlich doch noch das eigenhändige Testament der Verstorbenen auf, in welchem sie von den gesetzlichen Erben allein ihren Bruder berücksichtigt und für ihr restliches Vermögen fünf soziale Institutionen als Erben einsetzt.

Wie ist in einem solchen Fall vorzugehen?

Der nicht besitzende Erbe (der durch Testament bestimmt wurde) hat einen Anspruch an den besitzenden Nichterben. Dieser Anspruch ist durch Erbschaftsklage geltend zu machen. Das Klagerecht der Erben verwirkt nach einem Jahr seit Kenntnis des besseren Rechts und des Besitzes durch die Beklagten. Das Klagerecht verwirkt sodann absolut nach zehn Jahren seit dem Tode der Erblasserin, beziehungsweise der Eröffnung der Verfügung von Todes wegen.

Was ist herauszugeben?

Das Gesetz unterscheidet zwischen Gutgläubigkeit und Bösgläubigkeit. Hatte der besitzende Erbe keine Kenntnis vom Testament, muss er die Sache zwar zurückgeben, hat aber Anspruch auf Auslagen, die er mit der Erbschaft hatte (z.B. Steuern). Der bösgläubige Besitzer (wenn er das Testament beispielsweise versteckt hat), hat die Sache herauszugeben und haftet für vollen Schadenersatz. Die Verjährungsfrist beträgt in diesem Falle 30 Jahre.

Im konkreten Falle betrug das Nachlassvermögen CHF 250‘000.00, das vor fünf Jahren an über 40 gesetzliche Erben verteilt worden war. Eine Erbschaftsklage wäre zwar durchaus zulässig, gegen mehr als 40 Personen jedoch derart aufwändig und unverhältnismässig gewesen, dass sich ein Prozess für die eingesetzten Institutionen nicht gelohnt hätte. Deshalb wurde ihnen den Rat erteilt, die 40 gesetztlichen Erben anzuschreiben, sie auf die Rechtslage aufmerksam zu machen und es ihnen zu überlassen, ob sie den Organisationen eine Spende machen wollten.

Lesen Sie hier den ganzen Beitrag im Magazin "50plus".

Zurück